Iglu Dorf auf dem Zugspitzplatt

Iglu Dorf auf dem Zugspitzplatt

In der Dezember Ausgabe des Bergsteiger Magazins wurde ich aufmerksam auf eine interessante Möglichkeit im Winter auf dem Zugspitzplatt zu übernachten. Im Iglu. Klingt erst mal nach Survival-Abenteuer ist im Endeffekt aber eine sehr touristische Art und Weise ein Skigebiet zusätzlich zu vermarkten, welches auf Grund seiner Lage und fehlender Talabfahrt im Konkurrenzkampf mit den umliegenden Arenen nicht auf Augenhöhe ist.

Die Anfahrt erfolgt über den Parkplatz der Eibseebahn, an dem an normalen Tagen extra Parkplätze für das Iglu-Dorf bereit stehen. Wenn man jedoch an einem der schönsten Wintersonntage anreist, sind auch diese von „Fremdparkern“ besetzt. Grundsätzlich ist eine Anfahrt per Eisenbahn nach Garmisch und weiterfahrt per Zahnradbahn zum Sonnalpin zu empfehlen. Das ganze ist deutlich Stressfreier, für einen Kurztrip von zwei Tagen mit zwei Personen aus Mitteldeutschland, allerdings auch ungleich länger.

Der schweizer Anbieter www.iglu-dorf.com bietet diese Übernachtung in mehreren Gebieten in den Alpen, aber auch in Andorra an. Je nach Standort sind noch weitere Extras vorhanden, auf der Zuspitze reduziert sich das auf das „unterirdische“ Iglu-Dorf mit zwei Wärmebädern und einem Sauna-Fass.

Treffpunkt für angemeldete Besucher ist täglich zwischen Dezember und April 16:15 Uhr die Station „Sonnalpin“ der Bayrischen Zugspitzbahn. Von dort aus sind es nur noch 150m Weg bis man an dem Eingang zum Iglu-Dorf steht. Errichtet werden die Räumlichkeiten aus purem Schnee, der (hoffentlich) im Dezember fällt. Dazu werden riesige Luftballons aufgeblasen und so die Struktur der späteren Iglus abgebildet. Danach wird mit Schneefräsen der Schnee auf die Ballons geblasen und anschließend verdichtet, so das eine Wandstärke von 100 cm im unteren Bereich, bis 40 cm im oberen Bereich entsteht. Das ganze wird mit zunehmenden Schneefall natürlich immer stärker und schmilzt ab April wieder dahin. Der Aufbau wird seit mehr als 15 Jahren jährlich wiederholt, bei steigenden Besucherzahlen.


Im Gasthof erhalten die Übernachtungsteilnehmer eine Sicherheitsbelehrung über die Gefahren des Alpinen Hochgebirges. Immerhin übernachtet man fernab jeglicher Erreichbarkeit auf etwa 2600 Höhenmetern. Außerdem bekommt man die Expeditionsschlafsäcke zugeteilt, deren Komfortzone mit -21°C auch für die meisten Nächte außerhalb des Iglus ausreichen dürfte. Innerhalb der Schneemauern beträgt die Temperatur zwischen -2°C und erstaunlichen 6°C, wenn alle fleißig mit ihren Körpern den Gemeinschaftsraum heizen. Zur Verfügung stehen „Romatik-Iglus“ für 2 Personen, „Standard-Iglus“ für bis zu 6 Personen (Bettenlager) und die „Romatik-plus“ Variante für zwei Personen. Das Plus an Romantik bildet hier jeweils eine zum Iglu-Zimmer dazugehörige Toilette.

Internationale Künstler versehen die Wände jährlich mit neuen Motiven, die immer einem Hauptthema folgen. Die Blumen Anfang Januar haben jedoch eine andere Form als im April, da die Decke nach und nach zusammensackt, ohne aber ein Sicherheitsrisiko zu bilden.

Kulinarischer Höhepunkt ist das schweizer Käsefondue, welches auf Grund des Ambientes auch Käsemuffeln gut schmecken dürfte. Getränke werden nach karte angeboten. Wichtig ist es bei Kaltgetränken diese recht schnell zu verzehren, möchte man  sie nicht als Wassereis verwandelt sehen.

Zum Aufwärmen dienen zwei Hotpools mit 39°C Wassertemperatur und eine Sauna. Belustigte Blicke ziehen alle auf sich, die sich noch auf dem Weg in diese Wärmekammern befinden, denn Temperaturen um -10°C motivieren auch die mutigsten Menschen mit guter natürlicher Dämmung zu einem schnellen Schritt ins Warme.

Die drei bis fünf Guides sind während der gesamten Zeit bei der Gruppe und kümmern sich liebevoll um jedes Detail und das es der Gruppe nicht langweilig wird. Ein nächtlicher Spaziergang sorgt genauso für Spaß wie das Rodeln direkt vor der Haustür. Besonders ist das Gefühl im Winter auf 2600 Höhenmeter relativ allein zu sein. Spätestens ein Sternenhimmel sorgt auch für Antiromantikern für eine sentimentale Stimmung.

Nach einer kurzen Nacht gibt es Wärme und Frühstück im wiedererwachten Gasthaus Sonnalpin um 7:30 Uhr, noch bevor das Platt und der Nordferner wider von Massen an Skifahrern gestürmt werden.

Generell ist es ein empfehlenswertes Erlebnis, wenn es auch mit Abenteuerfeeling nicht viel am Hut hat.

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